Ich wollte das Rad neu erfinden und hab am Ende Windows nachgebaut
Wie die Oberfläche von Sketrix entstand: eine klare Idee, ein unbemerkter Abdriften, ein Tag Arbeit an einer Leiste, die zwölf Tage später beerdigt wurde, und ein kompletter Neuanfang auf dem Papier.
Was es tut → Schaltplan-EditorWer mit den großen Programmen für Elektrokonstruktion arbeitet, kennt das Gefühl, dass man genau weiß, was man ändern will, aber nicht, wo es steht, weil alles verschachtelt ist, Untermenüs unter Untermenüs, und ohne Schulung findet man die Hälfte nie. Und wenn man dann was verstellt, sieht man oft nicht mal, dass gerade etwas passiert ist. Das wollte ich anders haben: es musste vor allem auffindbar sein. Schön sollte es auch werden, das wollte ich von Anfang an, aber erst kommt das Finden, dann die Politur.
Rechts alles zum Element, links alles zum Projekt
Daraus wurden zwei Entscheidungen, die bis heute stehen. Rechts sitzt der Inspektor, das heißt, du klickst ein Element an und alles, was zu diesem Element gehört, steht an einer einzigen Stelle und lässt sich sofort ändern, ohne Suchen durch acht Ebenen, und die Änderung siehst du im selben Moment auf dem Blatt. Links sitzt der Projektbaum, und zwar so, wie ihn jeder kennt, der aus der Elektrokonstruktion kommt, denn da hab ich bewusst nichts neu erfunden: wer seit zwanzig Jahren Pläne zeichnet und auf den Mac wechselt, soll sich in der ersten Minute zurechtfinden, ohne umlernen zu müssen.
Dazu kam links alles, was sonst in Menüs verschwindet, also Klemmenplan, Steckerplan, Kabelplan, das SPS-Modul, die Stückliste und die Artikeldatenbank, alles an einem Rand und alles live, und wer den Baum gerade nicht braucht, schaltet ihn einfach weg. Diese Aufteilung ist keine Optik, denn ob man etwas findet, entscheidet darüber, ob man damit arbeiten kann, und das ist der Teil, den ich richtig gemacht hab.
Und dann bin ich abgedriftet
Der Anfang war klar, ich wollte, dass sich ein Mac-Anwender in Sketrix sofort zuhause fühlt, also alles so bauen, wie Apple es baut. Davon bin ich abgekommen, ohne es zu merken: ich war jahrelang Windows-Mensch, also standen irgendwann überall Windows-Ideen im Programm, und obendrauf kamen noch meine eigenen Einfälle, die ich damals natürlich alle für großartig hielt. Entschieden hab ich das nie, das war Gewohnheit, und am Ende war es von allem etwas und richtig keins davon.
Der zweite Fehler war größer: ich hab am Fundament der App und am Umbau der Oberfläche gleichzeitig gebaut, wie auf zwei getrennten Baustellen nebeneinander, und gebaut wurde dabei sogar viel und gut, nur konnte ich es irgendwann nicht mehr prüfen. Am Ende lagen dreihundert Prüfpunkte auf dem Tisch, und ich war der Einzige, der sie abarbeiten konnte.
Wie sich das im Kleinen anfühlt, sieht man an einem einzigen Tag im August. In meinen Aufzeichnungen steht für den vierten allein: zweite Leiste anbauen, das Verhalten der Leisten abstimmen, Feinschliff, Nacharbeit in drei Runden, dann Abgleich und Zoom nacharbeiten. Und am selben Tag steht da ein Eintrag, der festhält, dass eine Einblendung und der Zoom im dunklen Modus kaputt sind, mit doppelten Rahmen, einem Rahmen, der beim Umschalten nicht mitkommt, und einer Leiste, die aufklappt und gleich wieder zurückspringt. Also genau die Sorte Fehler, die jeder sofort sieht.
Das Ding, an dem ich einen Tag gebaut hab, ist tot
Am sechzehnten August hab ich dann alles gestoppt, und in der Notiz von damals steht der Satz genau so drin: Stopp, bis das Buch steht. Die einzige Ausnahme war der eine Umbau, der schon fast fertig war, den hab ich noch zu Ende gebracht, danach war Ruhe. Am selben Tag fiel auch die Entscheidung, dass die Leiste stirbt, ausgerechnet die Leiste, an der zwölf Tage vorher der ganze Tag draufgegangen war, und zwar ersatzlos, die kommt nicht wieder.
Statt weiterzubauen hab ich mich hingesetzt und die Oberfläche einmal komplett auf Papier neu entschieden, in acht Kapiteln, jedes mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme aus dem echten Code und mit Alternativen zur Wahl, und am Ende standen fünfundfünfzig einzelne Entscheidungen da, jede mit Nummer und Begründung. Aus dem Wildwuchs an Entwürfen ist ein Buch geworden.
Das Ziel steht seitdem fest, ein natives Apple-Gerüst mit Sketrix-Haut, mit Xcode, Pages und Numbers als Vorbildern, und auch die kleinen Sachen wie Farbwähler und Klappmenüs kommen von Apple statt aus meiner Feder, denn was Apple bereits gelöst hat, löse ich nicht nochmal.
Und jetzt
Die Oberfläche ist noch nicht die, die ich will. Die Einstellungen sitzen in einem Fenster mitten in der App, was auf dem Mac gar nicht üblich ist, die Menüleiste oben nutze ich viel zu wenig, und der Schaltschrankaufbau ist zwar richtig gut geworden, fühlt sich aber noch wie eine eigene Welt neben dem Rest an, das gehört alles zusammengezogen.
Eine Zeit lang hat mich das gewurmt, weil ich zeigen wollte, wie gut Sketrix ist, und dachte, dafür muss es erst mal gut aussehen, und deshalb hab ich lange gar nichts gezeigt. Dabei sieht Sketrix nicht schlecht aus, es könnte nur deutlich besser aussehen, und das wusste ich bei jedem Screenshot.
Inzwischen sehe ich das anders herum: solange das Fundament nicht steht, brauche ich keine schöne Brille aufzusetzen. Die Ordnung dahinter ist gebaut und die trägt, was fehlt, ist die Schale drumherum, und die kommt als Nächstes.
Martin