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Potenziale

Am Anfang war es Paint

Wie die Potenziale in Sketrix entstanden: vom eingefärbten Strich zum System, das Kurzschlüsse findet. Wendepunkt: Bauchgefühl und ein grüner Test, der log.

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Die Potenziale gehören zu den ältesten Sachen in Sketrix, schon im Februar konnte man Ebenen in den Normfarben anlegen und einen Leitungsweg von Hand einfärben, und mehr war das am Anfang auch nicht als Farbe auf dem Strich. Später hab ich das mal so beschrieben, dass das eigentlich Paint ist, weil ich einfach nur den Strich einfärbe.

Selbst das war schon schwer genug zu bauen, vor allem über mehrere Seiten, wenn eine Leitung an einer Abbruchstelle aufhört und auf einem anderen Blatt weitergeht. Im April hab ich zwei Tage lang probiert, die Farbe da rüberzukriegen, und am Ende wurde alles wieder zurückgedreht, mit dem Vermerk, dass ich jetzt erst mal in Ruhe überlege, wie man das richtig aufbaut. Am selben Tag ging es dann mit einer anderen Idee weiter, bei der sich die zusammengehörigen Abbruchstellen die Farbe teilen, und die hat dann auch funktioniert.

Mir war aber klar, dass Farbe allein nicht reicht. In meinem Konzept steht der Satz, dass Sketrix Qualität zeigen soll und keinen Durchschnitt, und mit Strichen anmalen wäre ich da nie hingekommen.

Ein Gefühl, das gestimmt hat

Der eigentliche Wendepunkt kam Anfang September, und er kam von einer Stelle, an der ich ihn nicht erwartet hätte. Beim Testen hat sich mal was verbunden und mal nichts, Leitungen gingen durch Ecken durch oder kamen gar nicht an, und ich hab damals aufgeschrieben: ich glaube, der Potenzialpunkt bricht alles, so ein Gefühl.

Und das Gefühl hat gestimmt, denn wenn man eine Potenzial-Ebene ausgeblendet hatte, hat sich die App anders verhalten, ein ausgeblendeter Schutzleiter ließ sich zum Beispiel gar nicht mehr verbinden. Die Ursache war, dass an zwanzig Stellen im Programm die Frage, ob etwas sichtbar ist, darüber entschieden hat, was passiert, obwohl es für die Elektrik völlig egal ist, ob man etwas gerade sieht oder nicht.

Danach hab ich Ebenen und Potenziale komplett voneinander getrennt, eine Ebene ist seitdem nur noch Darstellung, und ein Potenzial kann man nicht mehr ausblenden, höchstens hervorheben. Das Konzept dafür hat dreiunddreißig Entscheidungen, und eine davon lautet, dass kein Draht mehr von Hand eingefärbt wird, was ich im Nachhinein schon witzig finde, weil im Februar ja genau damit alles angefangen hatte.

Ein grüner Test, der trotzdem falsch war

Beim Bauen hatte ich eine Stelle, über die ich heute lachen muss. Ich hatte am Anfang noch kein fertiges Bild davon, wie die Potenziale am Ende aussehen sollen, und hab bei der Frage, woraus ein Potenzial erzeugt wird, entschieden, dass man das von Hand in einem Auswahlfeld einträgt. Das wurde so gebaut, und bei der Abnahme hab ich elf von elf Punkten grün gegeben, ohne einen einzigen Fehler.

Im selben Test hab ich dann beim Weiterklicken aufgeschrieben, dass das viel zu kompliziert gedacht ist und einfacher sein muss, dass ich mir das komplett falsch vorgestellt hatte, und ich hab mich gefragt, was eigentlich der Unterschied zwischen diesem Feld und dem Potenzial selbst sein soll, das ist doch dasselbe. Vier Tage später war das Feld ersatzlos weg, und seitdem liest Sketrix die Herkunft einfach aus der Verdrahtung.

Vom Strich zum System

Heute ist ein Potenzial ein eigenes Ding mit einem Namen, und wer will, gibt ihm die Leiterart, die Spannung oder die Schutzart für Kleinspannung mit. Wo es herkommt, markiert man direkt am Anschluss eines Bauteils als Einspeisung, als Fremdspannung oder als erzeugt, und von dort wandert die Farbe durch den Plan, auch über Klemmen und Abbruchstellen. Treffen zwei Potenziale aufeinander, gewinnt keins heimlich, die Leitung wird rot strichpunktiert markiert.

Dazu gibt es eine Prüfung auf Knopfdruck, die nur die Potenziale anschaut und findet, was man beim schnellen Zusammenklicken übersieht: Kurzschlüsse, einen Schutzleiter, der offen endet, Widersprüche bei der Kleinspannung oder Fremdspannung ohne orange Kennzeichnung. Die Befunde stehen in einer Liste, und ein Klick springt an die Stelle im Plan. Eigentlich sollte das live beim Zeichnen mitlaufen, aber da hat man gemerkt, wie es zäh wird, und deshalb gibt es jetzt den Knopf. Heute stecken die Potenziale in rund 9.000 Zeilen, abgesichert mit etwa 480 Tests.

Ausschnitt aus Sketrix: Klemmen -XD100 mit farbigen Potenzialen, +24V (1) grün, 24VB orange und +24V (2) violett. Wo +24V (1) und +24V (2) aufeinandertreffen, ist die Leitung als Konflikt rot strichpunktiert, die roten Punkte setzt die Prüfung

Und jetzt

Das Fundament steht: getrennte Ebenen, das Potenzial als eigenes Ding, die Herkunft aus der Verdrahtung und die Prüfung. Bei den Sonderfällen fehlt noch einiges, und der deutlichste ist die Wendeschützschaltung. Die meldet seit April auf einem völlig richtigen Plan einen Kurzschluss, weil die beiden Schütze zwei Außenleiter über Kreuz schalten und die Prüfung darin zwei Potenziale auf einer Leitung sieht. Inzwischen wird sie nach dem Prüfen gelb statt rot, aber eigentlich dürfte etwas Geschaltetes gar kein Fehler sein, sonst hat man nie einen sauberen Plan, obwohl er stimmt.

Außerdem färben sich T-Stücke noch nicht richtig, an der Legende für das PDF wird gerade gebaut, und im Moment laufen noch zwei Prüfungen nebeneinander, die neue für die Potenziale und eine ältere, die ich zum großen Teil neu bauen will.

Martin

Sketrix ist Elektro-CAD (E-CAD) für Stromlaufpläne, Steuerungstechnik und Schaltschrankbau — mit Schaltzeichen orientiert an IEC 60617. Kein PCB-/Leiterplatten-Tool wie KiCad oder Eagle, sondern die Software für Schaltschrank, Klemmenplan und Elektroinstallation.